Interessengemeinschaft Frederiksborger

3.3 Meinung von Reitern und Ausbildern über die Rasse     Frederiksborger

 

  Sirius bei Anja Beran

 

 

Einer der letzten reinrassigen Hengste, Sirius B. Geb. 2006, befindet sich im Stall von Anja Beran. Er gehört der hauseigenen Stiftung, welche sich die Bewahrung der Klassischen Reitkunst zum Ziel gesetzt hat. Sirius steht den Eleven für die Ausbildung zum Schulpferd zur Verfügung.

Der momentane Ausbildungschwerpunkt besteht für Sirius in der Beseitigung seiner natürlichen Schiefe. Daher wird er von den beiden Elevinnen Anna und Vera hauptsächlich über die Seitengänge gymnastiziert. Dabei wird Wert darauf gelegt, dass die verkürzte Seite gedehnt und gelockert wird. Mit den Übungen Piaffe und Kompliment wurde begonnen, um das Körpergefühl des Pferdes zu schulen. Sirius wird von seinen Ausbilderinnen als intelligent, aufmerksam und selbstbewusst bezeichnet. Körperliche Widerstände versucht er zu überwinden, blockiert jedoch öfter bei gesteigerter Anstrengung und fühlt sich ungerecht eingeschätzt. Dann muss man sich ihm wieder annähern und ihn davon überzeugen, dass die Übung ihm gut tut. Im Stall ist er sehr umgänglich und menschenfreundlich, beim Putzen und im Umgang oft ein kleiner Schelm. 

 

Elevin Anna auf Sirius in der Piaffe (Fotos: IB)

 

 

Bent Branderup über die Frederiksborger:

 

Das ist ein Pferd wie eine weiße Leinwand. Ein Mensch kann daraus ein Gemälde machen.“

 

Schon viele Jahre setzt sich Bent Branderup für den Erhalt der Frederiksborger ein. Er kritisiert das mangelnde Interesse des dänischen Königshauses am lebendigen Kulturgut und verlässt sich darauf, dass die noble Rasse – ebenso wie die Knabstrupper - durch Liebhaberzucht am Leben erhalten wird. Einige seiner Schüler, insbesondere in Schweden, bilden Frederiksborger eindruckvoll in der Akademischen Reitkunst aus. Als reines Freizeitpferd, das nur wenige Male in der Woche zum Ausreiten oder ab und zu für das Reiten in der Bahn genutzt wird, eignet sich, so Branderup, der Frederiksborger nicht. Dazu ist er zu anspruchsvoll, intelligent und lernmotiviert.

Bent Branderup und Zarif 2011 (Foto: Julia Hipp)

Stefanie Staudinger über ihren Frederiksborgerhengst Regulus Martell (geb. 1998):
Hier ist erst einmal der rechte Ort, um Gitte Gjersoe, meiner Freundin und Arrangeurin meiner Kurse in Dänemark zu danken, da Sie mich diesem Hengst vorgestellt hat. Gitte als Dänin hält wie viele Ihre Landsleute nicht sehr viel von der heimischen Pferderasse. Umso erstaunter war ich, als sie mich im Dezember 2001 anrief und von einem wunderschönen Frederiksborger Hengst erzählte, den sie auf einer Körung gesehen hatte. Leider war dieser Rappe zunächst nicht zu verkaufen. Als das ein Jahr später dann doch der Fall war, bin ich wie eine Wilde mit Geld, Hänger und Bent (als Berater und Übersetzer) nach Dänemark gefahren und habe nach dem ersten Blick den Hengst sofort aufgeladen und ihn nach Deutschland geholt.

 

Regulus Martell, Bes. Stefanie Staudinger

 

 

Regulus ist ein Frederiksborger mit wunderschönem Exterieur: langer Schwanenhals – hoch angesetzt, kurzer kräftiger Rücken, schön gewinkelte Hinterhand und ein kleiner Ramskopf! Dies war nun mein Pferd! Nun ja, er ist auch sehr eigenwillig im Charakter, hat einen starken Durchsetzungswillen und ist schwer von sich selber überzeugt – mit einem Wort – ich mag ihn! Er ist genauso wie Elegido in der Renaissance der Reitkunst ausgebildet, wobei sein Schwerpunkt in der Galoppade liegt. Nach der Ausbildung der halben Tritte, sprich dem Erlernen der Hankenbiegung in Richtung einer Piaffe habe ich den Galopp mit ihm gestartet, da er dafür sehr viel Talent besitzt. Somit erlernt er nun alle versalen und traversalen Bewegungen, die Pirouetten und den fliegenden Wechsel. Mit der Geschmeidigkeit der Hanken für die Piaffe wird er noch bestimmt ein Jahr brauchen. Zeit ist auch nicht wichtig in diesem Zusammenhang – es geht darum, sich nach den Möglichkeiten des Pferdes zu orientieren und gemeinsam eine Arbeit aufzubauen, die das Pferd stark und gesund macht und uns beiden viel Spaß bringt. (siehe http://www.stefanie-staudinger.de

 

 

Ausbilderin und Züchterin Christiane Horstmann

 

Christiane Horstmann betreibt eine Reitschule in Bad Essen. Sie ist Reitlehrerin der Ecole de Légèreté, Reitwart und Pferdewirtin. Sie unterstützt die Initiative „Fair zum Pferd“ und ist Xenophon Trainerin. Bekannt wurde sie bereits in den 80-er Jahren mit der Zucht von Camarguepferden. Seit 2010 züchtet Frau Horstmann zusammen mit ihrem Lebensgefährten Frank Semmler Frederiksborger. (Kontakt: www.reitschule-horstmann.de)

 

 Wie viele Frederikborger haben sie?

Wir haben mittlerweile 7 Frederiksborger - zwei Hengste, drei Stuten, einen Stutjährling und ein Fohlen (2012).

 

Beschreiben sie den Charakter der Hengste.

Die beiden Hengste sind ziemlich verschieden. Junker, ein 100% reinrassiger barocker Typ, ist sehr dominant und hengstig, was durch das Decken noch verstärkt wurde und er lässt sich auch nicht von jedem führen und reiten. Er ist sehr mutig, hat viel Lebensfreude und Vorwärtsdrang.

Hector ist erst 4 Jahre alt und ist ganz lieb, freundlich und sehr, sehr gelehrig. Er ist ein echtes Wunderkind. Obwohl auch er gedeckt hat, ist er (noch?) sehr lieb und gelassen im Umgang, ebenfalls sehr mutig und fleißig, aber nicht ganz so präsent wie Junker.

 

Und wie lassen sich die Stuten beschreiben?

Die Stuten sind sehr freundlich, offene und liebe Tiere, waren extrem einfach anzureiten und sind durch und durch angenehm und unkompliziert.

Untereinander sind sie allerdings recht rabiat, die Ranghöchste hat auch schon mal ein Huhn, das ihrer Futterschüssel zu nahe kam, tot getreten.

Sie sind sehr gute Mütter und einfach nur toll zu reiten.

 

Welches Ziel verfolgen sie mit ihrer Zucht?

Wir möchten freundliche, rittige, robuste und an unser Klima angepasste Freizeitpferde züchten mit dem wichtigsten Merkmal, dem ausgeglichenen Charakter. Daneben sollten sie eine Begabung für die Dressur haben und gefällig oder sogar hübsch aussehen.

 

 

   Junker Langlökkegaard unter Christiane Horstmann

 

 

Hector Nörremosegaard unter Christiane Horstmann

 

 

 

Sonja Wiese: Tierheilpraktikerin, Ausbilderin, Köhn/ SH:

 

Die Frederiksborger Pferde sind unglaublich starke Persönlichkeiten. Ob nun Stute oder Wallach oder Hengst…eigentlich hat dies keine Bedeutung für das Wesen des Pferdes, denn auch nach einer Kastration bleibt ein Frederiksborger ein stolzer Begleiter mit viel Adel und Ausdruck.

 Wenn man als Reiter ein Pferd möchte, das wie ein „Soldat“ funktioniert, dann sollte man Abstand von dieser Rasse nehmen. Das Frederiksborger Pferd ist als treuer Gefährte und Team-Kollege gezüchtet – nicht aber als Knecht. Sie sind loyal und liebevoll zu ihren Menschen, immer mit dem ganzen Herzen präsent. Fühlen sie sich ungerecht behandelt oder gar bestraft, dann sind sie über Tage oder gar Wochen beleidigt und zeigen einem die kalte Schulter. Hier ist es nötig, viel Fingerspitzengefühl für das sensible und treue Wesen der Frederiksborger Pferde zu entwickeln ……dann gehen sie mit einem durch „Dick und Dünn“!

Ich besitze nun drei ganz unterschiedliche Frederiksborger Pferde. Aber eines verbindet sie alle: sie sind offen und unglaublich intelligent. Dazu muss man auch sagen, dass sie die Arbeit mit dem Menschen lieben und auch regelmäßig erwarten. Muss ich aus gesundheitlichen Gründen eine Pause machen, rechne ich schon fest damit, dass Tore geöffnet und Tröge auf der Weide „umgestellt“ werden. Als Therapeutin kann ich ebenfalls nur schwärmen.

Die Frederiksborger Pferde sind in der Regel auch bei norddeutschem Schmuddel-Wetter problemlos draußen zu halten. Eine Kleinigkeit gibt es aber noch zu erwähnen: Sie sind unglaublich gute Futterverwerter, zu viel junges oder energiereiches Gras/Futter ist nicht unbedingt gut für die Figur! Außerdem ist es mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass es eine sehr alte und ursprüngliche Rasse ist. Dies bedeutet, dass diese Pferde (und dazu gehören auch andere alte Rassen, wie Isländer, Norweger, Shagyas usw.) Zeit brauchen für die körperliche Reife. Ein Anreiten vor dem 4. Lebensjahr kann ich nicht empfehlen. Auch im Zahnwechsel sind die Frederiksborger Pferde eher spät dran, in dieser Phase empfehle ich dann das gebisslose Arbeiten z. B. mit einem Sidepull.

Ich habe meine Entscheidung für ein Frederiksborger Pferd nie bereut, im Gegenteil: ich hoffe, wenn meine Stute soweit ist, eine eigene kleine Zucht beginnen zu können und somit einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass diese wundervolle Rasse weiter existieren kann.

 

 Zarif, Lestat und Loreley